Röhre

Kurz für Vakuum- oder Elektronenröhre; ein altertümliches Bauteil der Verstärkertechnik, das technisch betrachtet längst überholt ist. Röhren erfordern zum Betrieb unter anderem eine eigene Heizspannung, Transformatoren usw. Sie müssen häufiger gewartet und dennoch, aufgrund des Materialverschleißes, regelmäßig ausgetauscht werden.

Durch die schaltungstechnische Peripherie sind Röhren-Amps schwerer und auch deutlich teurer als Konkurrenzprodukte in wartungsfreier Transistortechnik. Okay, so viel zu den unbestreitbaren Nachteilen …

Andererseits klingen Röhrengeräte, sofern das Schaltungsdesign Hand und Fuß hat, einfach unverschämt gut. Die glühenden Glaskolben existieren weiter, weil ihr nicht-lineares Übertragungsverhalten bei Audioanwendungen, wie für das menschliche Ohr gemacht zu sein scheint.

Obwohl Röhren das Eingangssignal spürbar „verbiegen“ (was technisch gesehen ja eigentlich unerwünscht ist), sind es gerade diese Verfärbungen im Obertonbereich und die charakteristische „Verdichtung“ (Signalkompression), die wir als besonders angenehm wahrnehmen. Eben wegen dieser Eigenschaften empfinden wir den Klang eines Röhrenverstärkers im Vergleich zur nüchterner agierenden und im technischen Sinne überlegenen (weil neutraleren) Transistorschaltung oft als wärmer, runder und „natürlicher“.

Da die Übersteuerung bei Röhrenschaltungen erst allmählich einsetzt, erscheinen mit Röhren bestückte Poweramps im Vergleich zu entsprechenden Solid-State-Varianten bei gleicher Leistungsangabe wesentlich lauter, frischer und druckvoller. Messtechnisch gesehen sind sie es aber nicht.

Leider lassen sich typische Transistorendstufen eben nicht im gleichen Maße übersteuern, weil der Sound durch den harschen Charakter der Transistorverzerrung rasch ungenießbar wird. Im Clipping-Bereich klingt der Signal also nicht schön fett, sondern schrill sägend bis schlicht „kaputt“.

Es gibt zwar schon lange spezielle Solid-State-Amps mit mehr oder weniger aufwändigen Zusatzschaltungen, die auch den Übersteuerungsbereich nutzbar machen. Aber das komplexe Verhalten einer Röhrenendstufe lässt sich nicht so ohne Weiteres nachahmen.

Somit steht Röhrentechnik bei anspruchsvollen HiFi-Enthusiasten, Live-Musikern und Recording-Studios weiterhin hoch im Kurs.

Insbesondere Gitarristen, von denen die allermeisten ja gezielt mit der Übersteuerung arbeiten, schätzen die harmonische Wiedergabe und die reaktionsfreudige Dynamikumsetzung.

Dagegen bevorzugen die meisten Bassisten ein klareres, neutraleres Klangbild, wofür sie aufgrund der tiefen, Energie zehrenden Frequenzen auch wesentlich mehr Leistung benötigen. Das wiederum ist in Röhrentechnik nur mit einigem Aufwand zu erzielen, was solche Amps dann schwer und kostspielig macht.

Somit haben Röhrenverstärker ihre Position im Bass-Sektor weitgehend eingebüßt. Sehr beliebt sind allerdings Hybrid-Amps, die gewissermaßen ein „best of both worlds“ bieten, was sie übrigens auch für budget-bewusste Gitarristen interessant macht.


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