Rack

Eigentlich nur ein Leergehäuse, um mehrere Geräte genormter Bauform (19“-Breite) platzsparend und sicher zu verstauen.

Das Konzept und die zugehörige Terminologie entstammen der Computer-Technik und wurden später zunächst für Geräte aus dem Recording-Bereich übernommen.

Ende der 70er / Anfang der 80er-Jahre kamen dann einige Musiker auf die Idee, diese Studio-Geräte mit auf die Bühne zu nehmen, um die beim Aufnahmeprozess eingesetzten High-Tech-Effekte auch live zur Verfügung zu haben. Dies läutete die so genannte Rack-Ära ein, als insbesondere Gitarristen mit immer umfangreicheren und komplizierteren Bühnenanlagen auf Tour zu gehen pflegten.

Zu den frühesten „Usern“ gehörten zunächst experimentierfreudige Sound-Pioniere wie David Gilmour (Pink Floyd), Jerry Garcia und Bob Weir (Grateful Dead) oder Frank Zappa. Später übernahmen anspruchsvolle Saitenvirtuosen, allen voran „die vier Steves“ (Morse, Lukather, Stevens und Vai), das Rack-Konzept und etablierten es weltweit.

Im gleichen Zuge wurden seinerzeit die Techniker und Ingenieure berühmt, die solche Custom-Racks konzipierten und programmierten. Die Galleonsfiguren der Szene waren damals der Brite Pete Cornish und der US-Amerikaner Bob Bradshaw. Die beiden zählten damals praktisch jeden Gitarristen, der in der Musikwelt von Bedeutung ist, zu ihren Kunden – von Eric Clapton bis Eddie Van Halen.

Allmählich wurden die Racks immer größer, bunter und üppiger, weshalb sie von Spöttern auch gerne „Kühlschrank“ genannt wurden. Nachdem immer mehr Semi-Profis und Hobby-Musiker auf den Zug aufsprangen, befanden sich die Hersteller zeitweise regelrecht im Goldrausch und brachten ständig neue, blinkende und mit neuen Funktionen überfrachtete Effektgeräte auf den Markt. Auch immer mehr Preamps und teilweise sogar komplette Amps wurden nun im 19“-Chassis angeboten.

Leider konnten oder wollten sich die meisten Kunden aber keinen eigenen Techniker leisten, hatten häufig zu wenig Ahnung von der Technik und begannen eher wahllos irgendwelche Rack-Teile zusammenzustöpseln. Das kam natürlich weder der Sound-Qualität noch der Zuverlässigkeit dieser etwas komplexeren Anlagensysteme zu Gute. So gerieten Racks (zu Unrecht) zunehmend als launische Spaß-Killer in Verruf.

Mit dem Aufkommen des (Flanell gekleideten) Seattle-Sounds und dem massiven Retro-Boom war der kommerzielle Höhenflug der Rack-Produzenten dann endgültig zu Ende.

Das heißt aber keinesfalls, dass man mit ein paar sinnvoll ausgewählten 19“-Komponenten nicht einen erstklassigen Sound zaubern könnte. Ganz im Gegenteil! (Man höre sich nur mal Michael Landau oder John Petrucci an.) Und aufgrund der modernen, deutlich leistungsstärkeren Prozessoren braucht man auch nur noch einen Bruchteil der Gerätschaften.

Der blinkende „Kühlschrank“ ist also längst Schnee von gestern. Nun passt so ein praktisches kleines Rack zwar locker mit in den Smart aber halt nicht mehr so richtig zum rauen Rock-’n’-Roller-Image …


zurück zur Übersicht