Hybrid

bezeichnet eine „Mischform“ eines Gerätes oder auch eines Instruments, welche im Idealfall die Vorteile verschiedener Konzepte in sich vereint:

1) Sehr bekannt und weit verbreitet sind die so genannten Hybridverstärker, die in der Regel aus Röhren-Preamp und Poweramp auf Transistorbasis bestehen. So versucht man die „Wärme“ der Röhrenschaltung mit der sauberen und preisgünstigen, aber etwas „kühl“ agierenden Transistortechnik zu kombinieren. Insbesondere bei Bassanlagen ist das nach wie vor sehr beliebt.

In den späten 70er- und frühen 80er-Jahre gab es aber auch Hersteller, die es genau andersherum machten (zum Beispiel Music Man). Bei diesen Geräten diente eine Transistorvorstufe vor den Endstufenröhren dazu, genügend Headroom zur Verfügung zu stellen, um auch bei sehr hohen Bühnenlautstärken noch ein dynamisches, nicht zu stark verzerrtes Signal übertragen zu können.

Bei auf Flexibilität ausgelegten, später dann programmierbaren Preamps und sogar einigen Effektgeräten waren zusätzliche Röhrenschaltkreise zeitweise ebenfalls extrem angesagt. Allerdings verkam das Hybrid-Konzept bei vielen Herstellern schnell zum Marketing-Gag.

Auch heute noch findet sich in einigen Transistor- und Digitalgeräten manchmal eine Alibiröhre, die wenig mehr zu tun hat, als stimmungsvoll zu glimmen und den Werbetext aufzupeppen. Röhren sind nun mal vergleichsweise anspruchsvolle Bauteile und brauchen eine entsprechende Schaltungsumgebung, um ihre spezielle „Magie“ entfalten zu können.

Mit der Modeling-Technologie kommen noch weitere Hybrid-Amps hinzu. Nun wird also ein digitalisiertes Signal mit einer Transistorschaltung verbunden, oder es gibt noch eine zusätzliche Vorstufenröhre, oder manchmal sogar eine Röhrenendstufe … oder irgendeine Kombination von alledem. Nichts ist unmöglich, man muss bloß noch irgendwie den Durchblick behalten.

2) Nicht ganz so allgegenwärtig sind Hybrid-Konzepte bei Instrumenten – zumindest nicht auf den ersten Blick. Dabei könnte man natürlich bereits eine Strat mit einem Humbucker-Tonabnehmer (der ja entwicklungsgeschichtlich auf Fenders großen Konkurrenten Gibson zurückgeht) oder einen Fretless E-Bass als Mischwesen definieren.

Eigentlich gemeint sind Instrumente, die elektroakustische A-Gitarre und E-Gitarre in einem sein wollen, was normalerweise mit Hilfe von speziellen Piezo-Systemen erzielt wird. Die neuen digitalen Modeling-Alleskönner (wie die „Variax“ von Line 6) stützen sich gleich komplett darauf und „errechnen“ die Klangfarbe der magnetischen Pickups dann im Prozessor.

Die größte und wichtigste Gruppe stellen aber Instrumente, die Piezos und magnetische Pickups kombinieren. Die meisten davon sind (nicht zuletzt aus Kostengründen) im Grunde konventionelle E-Gitarren mit einem zusätzlichen Piezo-Tonabnehmer im Steg. Solche werden heute von diversen Herstellern angeboten. (Übrigens, Piezo-Bridges sind auch separat als Nachrüst-Sets für das bestehende Instrument erhältlich.)

Einige Spezialisten sind dagegen „echte“ Hybridkonstruktionen, die dem Konzept nicht nur mittels Pickup-Mix, sondern auch bautechnisch gerecht werden. Diese hochinteressanten Instrumente tragen dann Gene aus beiden Lagern in sich, den elektrischen Solidbodies und den akustischen Gitarren und Bässen.

Streng genommen müssten wir auch noch die Synthesizer-Gitarre (als „Trigger-Instrument“ für komplett synthetische Klangerzeugung) zu den Hybriden rechnen. Das jedoch ist wiederum ein ganz eigenes Thema, weshalb es hier bewusst ausgeklammert wird.

3) Natürlich gibt es Hybriden auch noch in anderem Kontext, etwa bei Tonabnehmern:

Paul Reed Smith baute schon früh – passend zu seinen PRS-Gitarren, einer gelungenen Mixtur aus Fender- und Gibson-Designs – einen splitbaren Doppelspuler aus einem Singlecoil (mit einzelnen Magnetpolen) und einer normalen Humbucker-Hälfte. Der norddeutsche Luthier Boris Dommenget verfolgt mit dem speziell für Matthias Jabs (Scorpions) gewickelten treffend benannten „Doublebucker“ denselben Ansatz.

Ebenfalls reichlich gute Ideen hatte und hat Dieter Gölsdorf (ehemals alias „Atze Rockinger“, heute firmiert er unter „Göldo“), der mit dem „Domino“ schon 1980 einen P90-Pickup im Format eines Standard-Humbuckers präsentierte. Wolfgang Damm (Amber Pickups) griff das in den 90er-Jahren wieder auf und konnte selbst Gibson davon überzeugen, diesen Pickup als „P94“ ins hauseigene Sortiment zu übernehmen. Später folgte sogar Altmeister Seymour Duncan mit den „Phat Cats“.

Auch die beliebten schmalen Humbucker im Singlecoil-Format (OBL L 450, Duncan „Hot Rails“ oder „JB Jr.“, Di Marzio „Fast Track 2“ und „The Chopper“, Joe Barden „Danny Gatton“-Pickups usw.) zählen zu den Hybriden.

Noch einen d’rauf setzt schließlich Duncan mit dem „P-Rails“, der Single-Coil-, P90- und Humbucker-Sound in einem einzigen Tonabnehmer unterbringt. Praktisch die Pickup gewordenen Entsprechung zur „Eier legenden Wollmilchsau“ … In Analogtechnik ist das wohl das Maximum; mehr geht nur noch mit digitalem Modeling.


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