Fretless

Engl. für „ohne Bund“, also ein Instrument mit einem bundlosen Griffbrett.

Hierzu gehören zunächst mal klassische Streichinstrumente wie Geige, Bratsche, Cello oder Kontrabass.

Um deren speziellen Klangcharakter, vor allem die sanftere, „samtige“ Ansprache und die feinere Intonation auch auf elektrischen Instrumenten zu erzielen, verzichten einige, experimentierfreudige Musiker auf den Komfort eines bundierten Griffbretts.

Im Gitarrenbereich stellen sich einige Virtuosen zumindest zeitweise dieser Herausforderung (etwa Adrian Belew, Frank Zappa, Erlend Krauser, Ron Thal alias „Bumblefoot“, Steve Vai, Pat Metheny oder auch Guthrie Govan). Abseits von solistischen Eskapaden, findet die „Fretless Guitar“ aber kaum Verwendung, da es ein bundloses Griffbrett außerordentlich schwierig macht, Akkorde sauber zu intonieren.

Insofern halten sich die Hersteller zurück und abgesehen von exklusiven Luthiers und Einzelanfertigungen größerer Custom-Shops bieten nur wenige überhaupt Fretless-Gitarren an. (Eine löbliche Ausnahme ist der französische Hersteller Vigier.)

Sehr beliebt sind die Fretless-Varianten hingegen bei Bassisten, die sich damit ein Stück weit den charaktervollen Ton eines Kontrabass’ zurückholen. Bevor die Hersteller auf den Zug aufsprangen, kamen Künstler mit derlei Ambitionen (Stichwort: Jaco Pastorius) auf die Idee, einfach die Bunddrähte aus dem vorhandenen Instrument zu entfernen und die Oberfläche mit Bootslack zu glätten.

Heute bieten Bass-Hersteller viele Modelle auch in einer speziellen Fretless-Version an. Häufig erhalten diese Ausführungen ein härteres Griffbrettmaterial (meistens Ebenholz oder Ebonol, manchmal auch spezielle Legierungen aus Metall oder sogar eine Auflage aus poliertem Granit!). Das ist sinnvoll, um den starken Abrieb durch die Saiten zu verringern. Manchmal werden auch eigens Hölzer mit stärkeren Anteilen mittlerer Frequenzen (Erle, Mahagoni, Nussbaum) oder Tonabnehmer (Single Coils oder zusätzliche Piezos) und Hardware (vor allem die Brückenkonstruktion) passend ausgewählt, um den singenden Klangcharakter noch stärker zu betonen.

Gerade bei Solo-Passagen kann ein elektrischer Fretless höchst eindrucksvoll klingen, weil er die drahtigen Klanganteile zu Gunsten eines natürlicheren „holzigeren“ Timbres zurückstellt. (Nachzuhören bei bekennenden Fretless-Bassisten wie Jack Bruce, Mo Foster, Pino Palladino, Percy Jones, Alphonso Johnson oder Sixstring-Bassist Steve Bailey.)


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