Bund / Bünde

Kurz für „Bunddraht“ beziehungsweise den Griffbrettabschnitt zwischen zwei Bünden / Bunddrähten.

Als Bunddraht wird bis heute überwiegend eine Messinglegierung verwendet, die relativ leicht zu bearbeiten ist. Nachteilig ist die verhältnismäßig geringe Abriebfestigkeit. Dies führt dazu, dass die Bünde durch regelmäßigen Spielbetrieb zunehmend verschleißen und irgendwann ein Abrichten und schließlich ein Refret notwendig wird.

Einige wenige, besonders fortschrittlich orientierte Hersteller (wie Parker Guitars) haben sich daher rostfreien Edelstahl als Bundmaterial ausgesucht. Dieses äußerst widerstandsfähige Metall hält natürlich wesentlich mehr aus, ist allerdings auch nur mit Spezialwerkzeug zu ver- und bearbeiten. Außerdem erzeugt es grellere Obertöne, die nicht jedem Musikerohr zusagen. Das schränkt den Interessentenkreis für derlei technische Neuerungen leider wieder ein.

Bunddraht gibt es in den verschiedendsten Stärken und Formen, um den diversen Vorlieben der Musiker gerecht zu werden. Die Palette reicht dabei von suppennudel-dünnen, aber Vintage-korrekten Spaghettis, über die eher eckig geformten, breiten und flachen Bünde à la Gibson bis zum extrahohen Super-Jumbo-Format, wie man es von hoch gezüchteten Shred-Gitarren oder modernen E-Bässen kennt.

Akustische Gitarren bieten meistens 19 oder 20 Bünde, wobei die untere Hälfte des Griffbretts normalerweise bereits auf dem Korpus aufliegt. Dieser Bereich ist daher ohne Anwendung spieltechnischer Kniffe schlecht zugänglich und nur bedingt bespielbar.

Typische E-Gitarren brauchen den großen Korpus ihrer akustischen Verwandten nicht, sind entsprechend anders konstruiert und verfügen fast immer über so genannte Cutaways, um auch die höheren Bünde (also, die in Richtung Korpus) gut bespielbar zu machen. Folgerichtig bieten die meisten auch ein verlängertes Griffbrett mit 21, 22 oder gleich 24 Bünden an.

Die Anzahl der Bünde, oder besser gesagt die daraus resultierende Konstruktion des Halses wirkt sich aber keineswegs nur spieltechnisch aus. Sie hat auch handfeste klangliche Auswirkungen. Ein kürzerer Hals mit 22 Bünden ergibt eine steifere Konstruktion als der etwas längere mit 24 Bünden. Ähnliches bewirkt auch ein dickerer Hals. (Wie auch eine Gitarre mit einzelnem Single Cutaway im Vergleich zu einem ansonsten identisch gebauten Double Cutaway-Modell im Regelfall druckvoller klingt.) Die höhere Biegefestigkeit unterstützt jedenfalls einen offensiven direkten Klangcharakter mit wuchtigerem Tonfundament.

Dies ist sicher einer der Gründe, warum Gitarren und im Übrigen auch Bässe mit mehr als 24 Bünden (also zwei vollen Oktaven von der ungegriffenen „Leersaite“ bis zum letzten bespielbaren Bund) eher ins Reich der Exoten gehören. Außerdem wird auch der Abstand zwischen den Bünden in diesem Bereich schon unangenehm eng, weshalb sich experimentierfreudige Griffbrettpiloten hier gerne mit Scalloped Frets behelfen.

In seltenen Fällen trifft man also Spezialkonstruktionen mit 28 oder sogar 36 Bünden an. Diese Instrumente dürften allerdings in erster Linie für Neo-Shredder und andere zertifizierte Griffbrettpiloten interessant sein, die sich beim Solieren immer darüber ärgern, dass das Griffbrett schon wieder zu Ende ist.


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